Suizidzahlen 2025 in Deutschland
Jedes Jahr veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Todesursachenstatistik für Deutschland. Das NaSPro publiziert regelmäßig eine graphische Darstellung der Entwicklungen der Suizidstatistik.
Den aktuellen Foliensatz für das Jahr 2025 können Sie hier downloaden.
Vorbemerkungen
Die folgenden Angaben zu den vollendeten Suiziden 2025 beziehen sich auf die jährlich aktualisierte Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes.
Die Angaben beruhen auf der Auswertung der Todesbescheinigungen. Die Todesursachen werden in den Bundesländern für die dort gemeldeten Einwohnerinnen und Einwohner dokumentiert und an das Statistische Bundesamt gemeldet.
Da Daten zu den Suizidversuchen nicht systematisch erhoben werden, handelt es sich bei den hier gemachten Angaben um Schätzungen auf der Basis von Ergebnissen kleinerer Erhebungsgebiete, wie beispielsweise im Rahmen der Studie „Monitoring SuicidalBehaviour in Europe“ (publiziert in Schmidtke et al. 2001, 2004)*.
Das Statistische Bundesamt ist gemäß § 16 Bundesstatistikgesetz dazu verpflichtet, Daten, die Rückschlüsse auf Einzelpersonen zulassen, unkenntlich zu machen. Zur Wahrung der statistischen Geheimhaltung wird seit 2025 die sogenannte Cell-Key-Methode* angewendet. Dabei werden einzelne Tabellenwerte nach einem festgelegten statistischen Verfahren geringfügig verändert. Dadurch kann es zu kleineren Abweichungen zwischen ausgewiesenen Einzelwerten und Gesamtsummen kommen.
Im Rahmen der eigenen Datenaufbereitung wurden Tabellenzellen, die in den Ausgangsdaten mit „.“ oder „-“ gekennzeichnet waren, für die weiteren Berechnungen mit dem Wert 0 berücksichtigt. Da diese Kennzeichnungen nicht zwangsläufig einer tatsächlichen Fallzahl von null entsprechen, können sich daraus zusätzliche Abweichungen in den dargestellten Ergebnissen ergeben.
Die Auswertungen des Statistischen Bundesamtes sehen nur die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ vor, sodass keine Angaben zu Menschen gemacht werden können, die sich nicht dem binären System zuordnen. In diesen Fällen ordnet das Statistische Bundesamt das Geschlecht für die statistische Auswertung zufällig einem der beiden binären Geschlechter zu.
* https://www.statistikportal.de/de/
* Schmidtke et al. (2001), Suicidal behaviour in Europe: results from the WHO/Euro multicentre study on suicidal behaviour
Die Anzahl der Suizide und die jeweilige Suizidrate sind immer das Ergebnis sehr unterschiedlicher, gegenläufiger oder sich aufhebender Bedingungen.
Einfluss auf die Suizidhäufigkeit haben u. a.:
• der Zustand und die Entwicklung der medizinischen Versorgung.
• die demographische Entwicklung.
• sozioökonomische Entwicklungen.
• regionale Besonderheiten.
• die Berichterstattung in den Medien.
• die Verfügbarkeit und die Bekanntheit von Suizidmethoden.
• die Form und Zuverlässigkeit der Ausstellung der Todesbescheinigungen.
• suizidpräventive Initiativen.
• ...
Vor diesem Hintergrund verbietet sich eine vorschnelle Interpretation der vorliegenden Daten. Diese ist erst nach einer genaueren wissenschaftlichen Analyse möglich.
Einflüsse auf die Häufigkeit von Suiziden
Die Anzahl der Suizide und die jeweilige Suizidrate sind immer das Ergebnis sehr unterschiedlicher, gegenläufiger oder sich aufhebender Bedingungen.
Beispiele für Faktoren, die sich positiv oder negativ auf die Suizidraten auswirken können.
Die Suizidrate oder Suizidziffer ist die Berechnung der Anzahl der Verstorbenen bezogen auf 100.000 Lebende der jeweiligen Gruppe. Auf diese Weise werden auch unterschiedlich große Gruppen vergleichbar. Weitere Standardisierungen (z.B. altersstandardisierte Daten) werden in der folgenden Darstellung nicht verwendet.
Vergleich zu anderen Todesursachen
Entwicklung der Zahlen
Im Jahr 2025 ist die Gesamtzahl der Suizide um 962 Fälle auf insgesamt 11.334 gestiegen. Das entspricht einer Steigung um 9,27 %. Der Anteil der Männer an den Suiziden beträgt 69,2 %. Der stärkste Rückgang der Suizidhäufigkeit war in den 1980er Jahren zu verzeichnen. Vom Höchststand 1981 (18.825 Fälle) ging die Zahl der Suizide um 41 % auf 11.065 Fälle im Jahr 2000 zurück. Bis zum Jahr 2021 sank die Zahl der Suizide um weitere 16,72 % auf 9.215 Fälle. Seit 2021 stieg die Anzahl der Suizide um 23 %.
In dieser und den folgenden Abbildungen sind die Daten von 1980 bis 2000 in Fünfjahresschritten dargestellt.
Die Entwicklung des Suizidgeschehens in Deutschland wird durch die Suizidziffer, d.h. die Anzahl der Suizide pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen, genauer erfasst. Dadurch wird der Einfluss der unterschiedlichen Bevölkerungsgröße in den einzelnen Jahren ausgeglichen. Eine prozentuale Veränderung der Anzahl der Suizide kann sich deswegen von der Veränderung der Suizidrate unterscheiden.
Die Suizidrate ist insgesamt im Jahr 2025 gegenüber dem Wert von 12,4 im Vorjahr auf 13,6 gestiegen. Bei den Frauen stieg die Suizidrate von 7,0 auf 8,2 bei den Männern stieg sie leicht von 18,0 auf 19,0.
Information zum Rückgang der Suizidzahlen in den achtziger Jahren
Einen besonders deutlichen Rückgang der Suizide hat es in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts gegeben. Auch hier ist es nicht möglich, Ursachen eindeutig zu identifizieren. Folgende Bedingungen können diese Entwicklung beeinflusst haben:
- Das durchschnittliche Lebensalter der Bevölkerung sank.
- Die Psychiatriereform führte zur Auflösung der großen Landeskrankenhäuser und zu dem wohnortnahen Aufbau von
psychiatrischen Kliniken und Abteilungen. Dazu kam der leichtere Zugang zur psychiatrischen Versorgung durch die Einrichtung
von psychiatrischen Ambulanzen. - Bessere Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen mit hohem Suizidrisiko, wie Depressionen oder Suchterkrankungen.
- Bessere Notfallversorgung und Verbesserung der Behandlungen nach Suizidversuch.
- Programme für Risikogruppen für Suizid, z.B. in der Suchtprävention.
- …
Demgegenüber stehen tendenziell „suizidfördernde“ Faktoren, wie z.B. die Zunahme der Arbeitslosigkeit.
Bundesländer
Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede im Suizidgeschehen. Im Jahr 2025 hatten Schleswig-Holstein (16,4), Mecklenburg Vorpommern (16,3), Sachsen (16,0) und Bremen (15,6) die höchsten Suizidziffern.
Am stärksten gestiegen ist die Suizidziffer in Hamburg (+3,7) und im Saarland (+2,7).
Das Saarland (11,0) und Nordrhein-Westfalen (11,3) haben die niedrigste Suizidziffer. In zwei Bundesländern gab es einen Rückgang der Suizidziffer.
Bremen und Hamburg haben die höchste Suizidziffer bei Frauen (12,3) und Mecklenburg-Vorpommern bei Männern (24,5).
Die niedrigste Suizidziffer hat das Saarland bei Frauen (6,2) und Nordrhein-Westfalen bei Männern (15,4).
Suizid im höheren Lebensalter
Auch in absoluten Zahlen übersteigt im Jahr 2025 die Anzahl der Suizide von Männern in allen Altersgruppen die Anzahl der Suizide von Frauen deutlich. 96,2 % aller Suizide im Jahr 2025 entfallen auf Männer (7.846) und 30,8 % auf Frauen (3.488).
Die deutliche Mehrheit der Suizide entfällt auf die Altersgruppe der über 50-Jährigen (73 ,71 %, 8.354 Fälle). 71,54 % der durch Suizid verstorbenen Männer (5.613) und 78,58 % der durch Suizid verstorbenen Frauen (2.741) sind 50 oder älter.
In Deutschland steigt die Suizidrate bzw. das Suizidrisiko mit dem Lebensalter an (das sog. „ungarische Muster“). Die Suizidrate der Männer ist in allen Altersgruppen deutlich höher als die der Frauen. Insbesondere steigt sie bei den Männern ab dem 70. Lebensjahr deutlich. Aber auch jede zweite durch Suizid verstorbene Frau ist älter als 60 Jahre. Beträgt die Suizidrate im Jahr 2025 bei den 20- bis 25-jährigen Männern 9,4 (Frauen: 4,0), so steigt sie bei den 85- bis 90-jährigen Männern auf 82,3 (Frauen: 32,4).
Suizide im Jugendalter
Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Suizide gegenüber dem Vorjahr in allen dargestellten Altersgruppen. Bei den 15- bis unter 20-Jährigen erhöhte sie sich von 188 auf 208, bei den 20- bis unter 25-Jährigen von 278 auf 298 und bei den 25- bis unter 30-Jährigen von 367 auf 396.
Bei den 10- bis unter 15-Jährigen stieg die Zahl von 28 auf 36. Aufgrund der geringen Fallzahlen sind prozentuale Veränderungen in dieser Altersgruppe besonders vorsichtig zu interpretieren.
Im langfristigen Vergleich ist in den Altersgruppen ab 15 Jahren kein Anstieg festzustellen.
Gegenüber 2024 stiegen die Suizidraten 2025 in allen dargestellten Altersgruppen leicht an. Die höchsten Raten weisen weiterhin die 25- bis unter 30-Jährigen (8,0) und die 20- bis unter 25-Jährigen (6,8) auf. Bei den zugrunde liegenden kleinen Fallzahlen in den Altersgruppen können diese Veränderungen in der normalen Schwankungsbreite liegen.
Ein durchgehender langfristiger Anstieg der Suizidhäufigkeit junger Menschen lässt sich aus diesen Daten nicht begründen.
Die vorliegenden Daten geben auch hier keinen Hinweis auf einen bedeutsamen Einfluss der COVID19- Pandemie und der Zeit danach auf die Suizidhäufigkeit junger Menschen.
Der Suizid gehört zu den häufigsten Todesursachen junger Menschen. Bei den 10- bis unter 25-Jährigen war er nach der amtlichen Auswertung für 2023 die häufigste Todesursache. Auch 2025 entfielen rund 18 % aller Sterbefälle der 5- bis unter 25-Jährigen auf Suizide.
Langfristig ist derzeit kein allgemeiner Anstieg der Suizidraten junger Menschen zu erkennen. Gegenüber dem Jahr 2000 liegen sie in den meisten betrachteten Altersgruppen weiterhin niedriger.
2025 zeigen sich auffällige Veränderungen. Besonders bei den 15- bis unter 20-jährigen Mädchen stiegen die Suizidzahlen und -raten deutlich. Ob sich daraus eine längerfristige Entwicklung ergibt, ist noch offen.
Auf die Häufigkeit von Suiziden wirken viele Einflussfaktoren. Das derzeit kein allgemeiner Anstieg der Suizidraten junger Menschen zu erkennen ist auch ein Ausdruck der Wirksamkeit der in Präsenz und Online bestehenden suizidpräventiven Initiativen und Angebote für junge Menschen sein. Der Zusammenhang lässt sich anhand der vorliegenden Daten allerdings nicht nachweisen
Die Aussagekraft der Suizidstatistik ist begrenzt. Sie erfasst ausschließlich Suizide und erlaubt weder generalisierte Aussagen über die Entwicklung von Suizidversuchen und Suizidgedanken noch über die psychosoziale Situation und psychische Belastung junger Menschen. Hierfür sind eigenständige Untersuchungen erforderlich.
Suizidmethoden
Bei den Suizidmethoden dominierte 2025 das Erhängen (4.145) deutlich. Es folgen Medikamente mit 2.848 Fällen, sonstige Methoden1 (1.381), Sturz (1.088), Schusswaffen (711, fast ausschließlich Männer) und das „sich vor ein bewegendes Objekt legen“ (557). Danach folgen Gase (331), Ertrinken (203) und Suizid durch Rauch/ Feuer (66).
Nach wie vor ist Erhängen die mit Abstand häufigste Suizidmethode in Deutschland. 43,1 % der Männer und 21,9 % der Frauen wählen diese Methode.
* Auflistung sonstiger Methoden siehe unten.
Die sonstigen Methoden wurde von den Autor:innen zusammengefasst: X65 (Alkohol), X66 (organische Lösungsmittel), X68 (Schädlingsbekämpfungsmittel), X69 (nicht näher bezeichnete Chemikalien), X75 (Explosivstoffe), X77(Wasserdampf, heiße Dämpfe), X78 & 79 (scharfer & stumpfer Gegenstand), X82 (absichtlich verursachter Verkehrsunfall), X83 & 84 (nicht näher bezeichnete Art und Weise).
Besonders auffällig ist die hohe Anzahl der unklaren Todesursachen.
Auffällig ist der annähernde Verdoppelung der Suizide durch Medikamente seit 2020 um 181,3 % von 1.013 auf 2.850 Fälle. Der Anstieg lässt sich überwiegend auf die „Vorsätzliche Selbstvergiftung durch und Exposition gegenüber sonstige(n) und nicht näher bezeichnete(n) Arzneimittel(n), Drogen und biologisch aktive(n) Substanzen“ zurückführen.
Es ist zu klären, ob und in welchem Umfang sich Assistierte Suizide hinter diesem Anstieg verbergen können.
Es gibt keine Dokumentation über die beim Assistierten Suizid Deutschland verwendeten Medikamente. Aus Berichten und einer Studie 1 wissen wir jedoch, das oft bestimmte Barbiturate (X61, X62) und ein Malariamittel (X64) beim assistierten Suizid verwendet werden. In der Tat findet sich der Anstieg der Suizide durch Medikamente ab 2020 im Bereich dieser Kodierungen.
1 S. Gleich et al (2024) Assistierte Suizide in München: angewendete Arzneistoffe und Dokumentierte Komplikationen. https://doi.org/10.1007/s00194-024-00725-5
Assistierte Suizide in Deutschland 2025
Assistierte Suizide werden vom Statistischen Bundesamt nicht gesondert ausgewiesen. Deshalb sind hier die Angaben von drei Vereinen, die Assistierten Suizide anbieten, aufgeführt. Demnach stieg die Anzahl der Assistierten Suizide von 346 Fällen im Jahr 2021 auf 1287 Fälle im Jahr 2025 um 272,0 %. Da nicht alle Anbieter von Suizidassistenzen Daten veröffentlichen und auch die Datenqualität unbekannt ist, dürfte die Zahl der Assistierten Suizide insgesamt deutlich höher liegen. Jedoch geben die vorhandenen Daten einen Eindruck von der Zunahme der Fälle von begleiteter Selbsttötung. Aufgrund der vorliegenden Daten können wir davon ausgehen, dass derzeit mehr als jeder zehnte Suizid mit Assistenz einer anderen Person erfolgt.
Anteil Suizidmethoden
Fast jeder vierte Suizid wird mittlerweile durch Medikamente begangen. Der Anteil der jeweiligen Suizidmethoden an der Gesamtzahl der Suizide ist in den letzten 20 Jahren relativ stabil geblieben.
Die Verringerung des Anteils des Erhängens an der Gesamtzahl der Suizide sollte nicht vorschnell interpretiert werden. In absoluten Zahlen liegt die Methode des Erhängens innerhalb der Schwankungsbreite der letzten Jahre. Sollte jedoch die Anzahl der Suizide durch Assistierte Suizide steigen, würde dies statistisch den Anteil anderer Methoden wie z.B. der des Erhängens verringern.
Assistierte Suizide werden vom Statistischen Bundesamt nicht gesondert ausgewiesen. Es ist nicht dokumentiert, in welcher Art und Weise sie in der Todesursachenstatistik erfasst werden.
Suizidmethoden von Frauen
Bei Frauen zeigt sich seit 2021 ein deutlicher Anstieg der Suizide durch Medikamente. Im Jahr 2025 stellt diese Methoden mit 1593 Fällen mit großem Abstand die häufigste erfasste Suizidmethode dar. Die Zahl der Suizide durch Erhängen bleibt dagegen über den Zeitraum vergleichsweise stabil.
Suizidmethoden von Männern
Bei Männern bleibt die Zahl der Suizide durch Erhängen über den gesamten Beobachtungszeitraum weitgehend stabil.
Seit 2021 ist auch bei Männern ein Anstieg der medikamentenbezogenen Suizide zu beobachten. Der Anstieg geht nicht mit einem Rückgang der Suizide durch Erhängen einher.
Suizidmethoden verschiedener Altersgruppen
Bei Personen ab 65 Jahren sind Medikamente die häufigste Suizidmethode, gefolgt von Erhängen.
Bei den bis zu 64-Jährigen ist Erhängen ebenfalls die dominierende Methode, jedoch sterben Jüngere darüber hinaus häufiger durch Gase oder auf Bahngleisen.
In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Suizide durch Medikamente und Schusswaffen bei Personen über 65 Jahren zu verzeichnen.